U9: 60. bis 64. Lebensmonat

Die U9 steht im Zeichen der bevorstehenden Einschulung. Daher muss der untersuchende Arzt Störungen der Wahrnehmung und der Motorik erkennen und den Eltern bei Bedarf eine entsprechende Therapie empfehlen. Ein Hausarzt wird bestimmte Defizite keinesfalls mit dem Satz "Das wächst sich schon aus" abtun.

Zur Diagnose von Grundkrankheiten ist eine umfassende klinische Untersuchung notwendig. Auch eine Überprüfung der sozialen und sprachlichen Fähigkeiten ist bei der U9 von zentraler Bedeutung, vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Schulalltag. So können Eltern und Arzt zum Beispiel dadurch einen guten Eindruck über das Sprachvermögen des Kindes gewinnen, dass sie sich eine Bildergeschichte erzählen lassen. Außerdem müssen verschiedene Seh- und Hörtests durchgeführt werden. Einiges davon kann aber auch bereits durch ein Elterngespräch geklärt werden. Angaben der Eltern zu speziellen Fragen des Arztes wie zum Beispiel "Bestehen Hörschwierigkeiten beim Vorlesen?", "Fragt das Kind häufig nach?" oder "Lässt die Konzentration beim Erzählen und Radiohören schnell nach?" geben erste Hinweise zur Hörfähigkeit. Durch weitere Befragung der Eltern gewinnt der Arzt außerdem einen Eindruck über die Beziehung zwischen Eltern und Kind, erfährt von eventuellen Schlaf- oder Konzentrationsstörungen und wird über sonstige Auffälligkeiten (z. B. kindliches Asthma) informiert.

Schließlich sollten bei der U9 Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten sowie lückenhafter Impfschutz vervollständigt werden, z.B. die zweite Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder die Windpocken-Impfung. Insgesamt lassen sich für die U9 folgende entwicklungsdiagnostischen Meilensteine formulieren:

* steht beidseits 8 Sekunden freihändig auf einem Bein
* hüpft auf jedem Bein sicher 5 mal auf der Stelle
* sicherer Zehen-Hackengang vorwärts
* fängt aufgeprallten Ball mit beiden Händen
* malt Quadrat, Kreuz und Dreieck nach Vorlage nach
* malt einen "6-Teile-Mensch"
* gibt sicher 5 Teile in eine vorgefertigte Formbox
* sicher in der Definition von Wörtern
* sicher in der Unterscheidung von Materialien
* erzählt logisch, in zeitlicher Reihenfolge und mit ungestörtem Sprachfluß
* hat einen sicheren Mengenbegriff bis "5"
* schreibt seinen Vornamen
* beginnt, im Zahlenraum bis 10 zu zählen, kennt die Zahl der Finger einer Hand
* erzählt aus der Erinnerung und berichtet aus der Familie
* stellt seine eigene Situation im sozialen Verhalten im Kindergarten und in der Familie dar






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